sebastian.briegleb.com
IT/SEO/WebDev Consultant

· · Pages · Recent Posts · Search · Categories · Blogroll · Archives · SEO · Marketing · RSS Feed · ·

October 25, 2011

Elektronische Umweltverschmutzung ist das Übel an der Wurzel

Etwas verspätet zum Tag der Kommunikation (wann immer der auch stattfindet) plädiere ich dafür, euch die email Adressen nebst Zubehör wegzunehmen. Und zwar rückwirkend bis in die Steinzeit des Internets.

Warum? Blöde Frage! Weil ihr nicht damit umgehen könnt. Ich meine, man händigt einem Serienmörder ja schliesslich auch keine Waffenbesitzkarte plus ein Bündel Gutscheine für Produkte aus dem Hause Heckler & Koch aus, oder?

Schadensumfang

Mit Steuermehreinnahmen aus der Eliminierung von volkswirtschaftlichen Verbrechen durch kriminelle Nutzung sogenannter “neuer Medien” liesse sich der Hartz-IV Regelsatz spielend verdoppeln. Wenn wir den noch brauchen, weil die dann nicht mehr massiv bestohlenen Unternehmen locker alle Arbeitslosen einstellen könnten. Alternativ könnten wir auch Griechenland und die anderen Schuldenböcke in der EU kaufen, und aus der Portokasse entschulden.

Ganz abgesehen davon, dass die Klimakatastrophe zu einem guten Anteil auf das Konto “verbrecherische Nutzung von Datenverarbeitungsanlagen” zu buchen ist. Etliche Kraftwerke auf diesem Planeten widmen Kohle nur für das Speichern und Transportieren von obsoleten bits und bytes in Treibhausgase um.

Ich bin zwar anfallsweise arrogant, aber weder ein Maschinenstürmer noch ein Technologiefeind. Ganz im Gegentum, ich bin gar kein Freund von Informationsarchivierung auf toten Bäumen. So will ich hier erläutern, warum ich Gedankenlosigkeit (nicht nur) im email-Verkehr als Umweltverbrechen und Diebstahl von Volksvermögen betrachte.

Die Tatwaffen

Dazu lasst uns einmal auf die Urform der email zurückblicken, die heute noch von jedem email client unterstützt wird: das plain text Format. Es dient dazu, Information ruck zuck vom Absender zu dem bzw. den Empfängern zu transportieren. Das Schlüsselwort ist ‘Information’. Diese kann, muss aber nicht, von obsoleten Höflichkeitsanreden und Grussfloskeln eingeklammert sein. Wenn nicht durch antiquierte aus dem Briefverkehr stammende Konventionen vernebelt, kann der Empfänger die Information innerhalb von Sekunden aufnehmen, nutzen oder verwerfen.

Für den tatsächlichen Informationsgehalt fast aller emails reicht allerdings das SMS/Twitter-Format aus: kleinergleich 140 Zeichen. In der betrieblichen Praxis werden für diese weniger als 140 Zeichen an Netto-Information in der Regel etliche Gigabytes an Datenmüll produziert, die an vielen Orten gespeichert, mehrfach transportiert, und zur Archivierung etliche Male dupliziert werden. Energieverschwendung und Prozesskosten dafür sind schon in der betrieblichen Betrachtung immens, für die Volkswirtschaft aber ein gigantischer, irreversibler Schaden.

Natürlich tragen auch persönliche Nachrichten wie “Lade zu meiner Geburtstagsfete am 11.11.2011 in der Kneipe um die Ecke ein, eure Elli”  zum Problem bei, weil sie nicht nur an viel zu viele uninteressierte Empfänger verschickt, sondern auch mittels unverstandener Software in mindestens 1 MB nicht validierendes HTML verpackt und vor Versand mit etlichen Megabytes an unkomprimierten im Netz zusammengeklauten Grafiken aufgehübscht werden. Ich vernachlässige das aber genauso wie email spam, weil der Grossteil des täglich milliardenteuren Schades von möchtegern-professionellen Anwendern in Unternehmen und Behörden produziert wird.

Und nein, ich meine damit noch nicht einmal die mindestens 15% des täglichen email Aufkommens, die aus vermeintlich komischen Videos oder Flash Animationen bestehen. Nicht etwa links, die könnten ja durch firewalls oder content filter unbenutzbar werden, es muss schon ein richtig dickes attachment sein. Sicherlich vernichten auch diese selten verfolgten Privatisierungen von Firmenressourcen eine Menge bezahlter Arbeitszeit, und auch deren Transport, Speicherung in gazillionen von persönlichen Ordnern, sowie deren unnötige Archivierung auf Datenträgern des Unternehmens ist richtig teuer.

Sanktionierte Digitalkriminalität

Noch viel schlimmer ist der inzwischen etablierte IT gestützte Arbeitsablauf. Betrachten wir einmal das digitale Umfeld eines wöchentlichen 15-Minuten Freitags-Termins mit einer Handvoll Beteiligter.

  • Obwohl es sich um ein regelmässig wiederkehrendes Ereignis handelt, verschickt der Häuptling eine Einladung. Das ist ein HTML email (100k) mit angehängter Tagesordnung (6mb Word Dokument mit eingebetteter PowerPoint Folie, wobei sich die TOPs eigentlich niemals ändern), Protokoll der letzten Sitzung (5mb), nur für den Kollegen Müller-Zwo, der die letzte Besprechung wegen einer Verwechslung mit Müller-Vier versäumt hat, auch noch das Protokoll der vorletzten Sitzung mit den im letzten Treffen protokollierten Anmerkungen (5mb), sowie drei mega Excel Arbeitsmappen mit je mindestens 10 Tabellenblättern, die die Veränderung zur Vorwoche in elfundneunzig Ansichten und Diagrammen beinhalten (1.5 gigabytes), sowie eine vergleichsweise kleine digitale Visitenkarte des Häuptlings, dessen Koordinaten jedermann sowieso schon mehrfach bekommen hat.
  • Jeder Indianer fühlt sich verpflichtet, dieses email samt Anhängen an mehrere Empfänger weiterzugeben, nur falls die daran interessiert sein, oder sich andernfalls übergangen fühlen könnten.
  • Kurz vor dem meeting synchronisiert jeder Teilnehmer seine inbox mit dem laptop, um im Bedarfsfalle alle Daten parat zu haben. Das inkludiert grosse persönliche Archive ansonsten unverteilter potentiell relevanter Daten, die sich jeder an sich selber mailt.
  • Auf dem Treffen wird die Produktion etlicher gigantischer reports beschlossen, deren zweifelhafte Existenz jeweils mit mehreren gigabytes wöchentlich zu Buche schlägt.
  • Nach dem meeting wird zur Erstellung und Abstimmung des Protokolls eine Word Datei von 5mb vierhundertachtunneunzig mal mit nur geringen Änderungen zwischen den Beteiligten ausgetauscht (weil jeder Depp sich bemüssigt fühlt, seinen Senf prominent in fett gesetzt dazuzugeben), bevor sie an einen ausgedehnten Verteilerkreis (jetzt incl. Häuptling) ausgegeben wird. Alleine der Abstimmungsprozess des Protokolls verursacht 498 * 5mb * 5 Teilnehmer Speicherbedarf in den Mailboxen, plus der aus paranoiden Erwägungen heraus erfolgten Archivierung jeder Version auf lokalen Festplatten, die jeden Tag auf zentralen Rechnern gesichert werden.
  • Summa summarum wurde fast ein Terabyte an Daten erzeugt, fast unmodifiziert dupliziert, bewegt und dauerhaft archiviert, um knapp 15 Minuten andauernde geistige Ergüsse von nur 6 Personen zu dokumentieren sowie für die Nachwelt zu erhalten. Darüber hinaus wurden Arbeitsstunden im Wert von etlichen tausend Euronen sinnlos verplempert. Und: so ein Freitag kann von vielen Besprechungsterminen heimgesucht werden …

Erschreckend, nicht wahr? Übertrieben? Nicht wirklich.

Früher hat eine Sekretärin ihre stenografierten Notizen in maximal 10 Minuten zu Papier gebracht, 6-fach kopiert, und in die Hauspost gelegt. Wesentlich umweltfreundlicher, und vor allem viel viel billiger.

Heute könnte die Tagesordnung per link auf eine klitzekleine Datei im Intranet veröffentlicht werden. Eine plain text email mit der URI dazu kostet bei 5-6 Empfängern ebenfalls nicht viel. Und das gemeinsame Editieren einer Protokolldatei im Intranet funktioniert auch ohne lokale Kopien und email Transport. Persistentes plus transientes Datenvolumen dafür: vernachlässigbar gering. Unproduktiv verbratene Arbeitszeit: in der Nähe von Null Stunden. Nicht benötigte lokale Installation und Wartung von überteuerter Office Software bei Nutzung von multiuser browser Applikationen: bloss nicht darüber nachdenken, das tut viel zu weh!

Weitere Tatmotive: Bequemlichkeit, Faulheit, Undiszipliniertheit und Respektlosigkeit

Neben der oben beschriebenen angeordneten Kriminalität mit gebilligtem bzw. vorgeschriebenem Missbrauch digitaler Tatwerkzeuge, existiert eine Unzahl von Varianten dieses modus operandi, deren Ursache –gaaanz vorsichtig und viel zu höflich formuliert– in mentalen und intellektuellen Abnormalitäten der handelnden Personen begründet liegt. Dazu ein Rückblick auf Ereignisse, die nur wenige Jahrzehnte zurückliegen:

Neben dem Primärziel, der massiven Freisetzung von minderqualifizierten Arbeitskräften, war die elektronische Datenverarbeitung eigentlich einmal als Arbeitserleichterung für die Beschäftigten vorgesehen, die das beabsichtigte Massaker irgendwie bei vollem Lohnbezug überleben würden.

Offensichtlich waren diese aber schlau genug, die EDV –vom REFA Fachmann unbemerkt– als Arbeitsbeschaffungsmassnahme umzunutzen. “Der Computer verlangt es aber so” ist seitdem ein Totschlagsargument, dem sich kein noch so gutmeinender Unternehmensberater widersetzen kann. Schliesslich wurden diese Jungs ja nur im Abwehrkampf gegen “das haben wir aber immer so gemacht” ausgebildet, und haben seitdem nix dazugelernt.

Nachdem also das wackere Unternehmertum zwar ein paar Schlachten gewonnen, den Krieg gegen die Ursache der Personalkosten aber verloren hatte, haben sich weitere kostenproduzierende Unsitten etabliert, die unverständlicherweise bislang noch zu keiner neuen Kriegserklärung an die inzwischen PC-bewehrte Arbeiterklasse geführt haben.

Das gesamte wirtschaftswunderverzärtelte Proletariat hat sich der Bequemlichkeit und Faulheit ergeben. Es zählt nur noch der eigene Zeitgewinn, der grundsätzlich zu Lasten anderer in innerbetriebliche Leerlaufaktivitäten umgesetzt wird. Persönliche Besitzstände werden mit Hilfe immer “besser” werdender IT Produkte verbissen und mit Einsatz höchst professionell entwickelter krimineller Energie verteidigt.

Um einigermassen beim Thema zu bleiben, erläutere ich hier nur zwei der vielen Instrumente, die Tag für Tag zur milliardenschweren Vernichtung von Bruttosozialprodukt eingesetzt werden: “reply to all” und “forward”.

Der digitale Nebelwerfer

Eine sehr wirksame Taktik zur aktiven Arbeitsvermeidung ist das Vernebeln der Frontlinie mit dem Ziel, die eigene Verantwortlichkeit und Zuständigkeit solange zu verschleiern, bis sich irgendein Dummer findet, der die gemäss Stellenbeschreibung zugewiesenen Aufgaben aus reiner Verzweiflung oder gar Loyalität zum Unternehmen übernimmt, in der Regel unter Inkaufnahme von Überstunden.

Dazu wird ein per email zugestellter Arbeitsauftrag mit geschickt von sich selbst ablenkenden ausschweifenden Ausführungen, nebulösen Fragen, und der Phantasie entsprungenen Betrachtung irrelevanter Nebenkriegsschauplätze (die immer anderen Abteilungen zugeordnet sind) versehen, und per “allen antworten” der beauftragenden Stelle zurückgegeben. Falls die Anzahl der ursprünglichen Absender nicht für einen angemessenen und ausreichenden Zeitaufschub geeignet ist, wird die Empfängerliste durch haufenweise CCs (es gibt ja schliesslich soetwas wie Abteilungssolidarität bei der Vergabe von ABMs) und oft sogar BCCs (irgendein überkompetenter Schwachkopf wird sich schon einmischen wollen) erweitert.

Es hilft auch ungemein, der email grosse Anhänge beizugeben, die zwar nicht relevant sein müssen, aber jedem Konsumenten der Arbeitsvermeidungsmassnahme klarmachen, dass die Beschäftigung mit derselben viel Zeit kosten wird, was zur Verzögerung und oft sogar zur Vermeidung der befürchteten Antworten positiv beiträgt.

Selbst wenn es an sich unerwartete Reaktionen gibt, ist deren Beantwortung (selbstverständlich per “reply to all”) mit weiteren Ablenkungsmanövern immer noch weniger anstregend, als die Arbeit tatsächlich zu verrichten.

Das zeitgemässe “ich verbinde …”, aka IT gestützte Zuständigkeitsverweigerung

Jede eingehende Aufforderung zur Verrichtung der dem Gehalt geschuldeten Arbeitsleistung wird vom cleveren Arbeitnehmer selbstverständlich daraufhin überprüft, ob sie nicht vielleicht einen klitzekleinen Anteil an nicht in die eigene Kompetenz fallende Aufgabenstellung beinhaltet. Üblicherweise wird sich soetwas auffinden lassen, und je grösser das eigene Unternehmen (bzw. die Behörde) ist, desto wahrscheinlicher ist der Erfolgsfall. Im Zweifel wird Inkompetenz oder potentiell karriereschädigende Kompetenzüberschreitung einfach produziert.

Ja wirklich, nichts ist einfacher als das. Die Anforderung wird einfach etwas aufgebläht, so dass die interdisziplinäre (für Laien: abteilungsübergreifende) Sachbearbeitung sich zwingend und für jeden nachvollziehbar ergibt. Logischerweise beinhaltet die abteilungsübergreifende Bearbeitung des Auftrages immer mindestens zwei Vorteile:

Erstens: Ein guter Anteil der Arbeit wird schon mal prinzipiell auf andere abgewälzt. Das Ausmass der delegierbaren Tätigkeiten ist grundsätzlich steigerungsfähig.

Zweitens: Durch die Eigentümerschaft am Auftrag entsteht eine Koordinationspflicht für die eigene Abteilung, aus der sich haufenweise nicht-so-sehr-anstrengende Tätigkeiten generieren lassen, die ansonsten ungenutzte Zeitfenster sinvoll verwendet erscheinen lassen.

Drittens: Durch die Übernahme von Verantwortung (s. 2) erhöht sich naturgemäss der Druck auf abteilungsfremde Individuen, die tatsächlich aufzubringende Arbeitsleistung zu investieren. Schliesslich wissen die nicht wirklich, um was es eigentlich geht, und es existiert keine Kosten/Nutzen-Transparenz.

Viertens: durch die Einnahme der projektverantwortlichen Rolle im Verhältnis zu abteilungsfremden Ressourcen leitet sich eine naturgegebene fachvorgesetzte Position ab, die die Delegation selbst abteilungseigener Aufgaben an Fremde ermöglicht.

Fünftens: da ausschliesslich abteilungsfremde Ressourcen zur Abwicklung des Auftrages eingesetzt werden, ist die Schuldfrage im Misserfolgsfall von vorneherein zu Lasten der anderen geklärt.

Falls irgendjemand aus meiner geneigten Leserschaft nicht wirklich bis 2 zählen kann, oder etwa nicht weiss wie sich arabische Ziffern aufwandsneutral vermehren lassen, ist hier die Gebrauchsanweisung:

Füge der ursprünglichen Anforderung ein paar unverständliche aber sich sehr schlau anhörende Sätze hinzu, ergänze die email um ein paar umfangreiche Anlagen, und leite sie an die potentiellen Arbeitstiere weiter. Alles andere ergibt sich von selbst.

Verlustreiche Frontbegradigungen

Unzufriedene Kunden, entgangener Umsatz/Gewinn, die Vernichtng vieler produktiver Arbeitsstunden etlicher Kollegen sowie andere negative Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg werden als unvermeidbarer Kollateralschaden abgeschrieben. Ohne dass es irgendeiner merkt, wird haufenweise Geld einfach versenkt. Hauptsache, ein eigener Kalorienverlst wurde wirksam vermieden. Schliesslich ist das Verbrennen von im Übermass eingenommenem Zucker und dessen Derivaten ausschliesslich Freizeitaktivitäten ausserhalb der gut geregelten “Arbeitszeit” geschuldet.

Und das Schlimmste daran ist, solche voll krass konkret kriminellen Taktiken sind per “Generationenvertrag” jedem gut ausgebildeten Arbeitnehmer schon als Azubi oder Azubine ins Gehirn eingebrannt worden. Sie werden also total unterbewusst und dementsprechend ohne jegliches Schuldbewusstsein angewendet, zum Schaden der Volkswirtschaft, weil die irgendsowas wie die Summe der betriebswirtschaftlich messbaren Unternehmenserfolge der ganzen Republik repräsentiert (falls die SBZ und die Zonenrandgebiete inzwischen mitgemessen werden, ist das schwache Ergebnis sicherlich noch katastrophaler als von mir ursprünglich unterstellt). Homer würde sagen: D’oh!

Unterlassungen

Hab’ ich nicht irgendetwas aus einer vorhergehenden Überschrift vergessen? Richtig: Respektlosigkeit.

Die tritt spätestens dann auf, wenn in einen der oben beschriebenen Prozesse ein Betriebsfremder eingebunden wird. Ich meine, ein interner Kollege kann durch kreative Delegation ureigenster Aufgaben ja kaum beleidigt werden, oder? Seine Leidensfähigkeit ist systemimmanent, und ausserdem kann er sich ja rächen ohne die Betriebsregularien zu verletzen.

Der externe Mensch wird aber den Eingang einer email mit 15 Anhängen mit schlichtem Entsetzen honorieren, insbesondere wenn er weder dem body text noch einem der attachments (nachdem er drei bislang nicht verwendete Applikationen installiert hat, um alle zu öffnen) den geringsten Informationsgehalt entnehmen kann.

Diesem externen Menschen hast du sehr viel Zeit geklaut, und ihn sauer gefahren, wogegen er sich aus einem unterstellten Abhängigkeitsverhältnis heraus schlecht wehren kann. Denkst du. Wird er aber, weil er auch nicht auf den Kopf gefallen ist. Deine ihm entgegengebrachte Respektlosigkeit rächt er gnadenlos. Die ihm übertragene Nicht-Aufgabe wird er nämlich ohne jeden Skrupel völlig überteuert abrechnen. Recht so!

Schadensbegrenzung, und Ausstiegshilfe für euch Digitalverbrecher

Ich bin aus diesem Wahnsinn schon lange ausgestiegen. Solcher Schwachsinn erreicht mich nicht mehr. Und du kannst das auch, zum Wohle deines Arbeitsplatzes und der Volkswirtschaft. Hier ist wie es geht:

Gehe zu den Einstellungen deines email Programms. Ändere “HTML email” zu “plain text” überall. Lösche alle Einstellungen bzgl. Signaturen und Visitenkarten. Begrenze den download von attachments (Anhängen) auf höchstens 50kb. Wenn es geht, verbiete attachments in Office Formaten wie doc/xls/ppt und so weiter.

Fasse dich kurz. Verzichte auf unnötige Höflichkeiten und jegliche Ausschweifungen. Zeige professionellen Respekt für den/die Empfänger deiner emails, indem du dich auf’s Wesentliche beschränkst, klar kurz prägnant unmissverständlich und knapp formulierst wie einst Kanzler Schmidt, und so dem anderen keine Zeit stiehlst.

Fertig. Es ist wirklich so einfach. Du kannst den Rationalisierungseffekt jetzt noch dadurch steigern, dass du emails nur noch 5 Minuten vor der Mittagspause und 5 Minuten vor Feierabend abrufst. Das reicht völlig aus, um wichtige Vorgänge sofort zu bearbeiten. Alles andere wird später beantwortet bzw. gelöscht, nämlich dann wenn es in deinen Arbeitsablauf passt.

Für das Wohl dieses geschundenen Planeten, und deiner ureigensten Pfründe: schau dir deine eigenen Arbeitsabläufe mal genauer an. Weigere dich, am alltäglich digitalen Wahnsinn teilzunehmen. Dann darft du vielleicht deinen armseligen email account behalten. Vorläufig, und nur auf Bewährung.

Disclaimer

Falls ich mit diesem Pamphlet das Proletariat irgendwie beleidigt oder blossgestellt haben sollte: das tut mir gar nicht leid, und es war durchaus beabsichtigt. Es reicht mir nicht, nur die doofen Kapitalisten zu entlarven.

Ich ziehe eine menschenleere Landschaft jederzeit einer bevölkerten Stadt vor.

Und schon Marx und Engels haben schliesslich behauptet, dass sich die Geschichte wiederholt. Tja, vor hunderttausend Jahren gab es euch noch nicht, und genau in diesem Zustand des Planeten Erde fühle ich mich heute wohl. Ganz alleine, und sehr glücklich. Trotz 98 Grad im Schatten. Ich habe schliesslich überlebt.

Filed under: Angewandter Irrsinn — Sebastian @ 2011-10-25 2:14 am

· Home · Top of page ·
Powered by WordPress & National-Net
All content and intellectual property is under copyright protection. Copyright © 2006 by Sebastian Briegleb. Any kind of reprinting is prohibited, unpermitted -- w/o explicit and written authorization -- reprinting will be charged, the current rate is $1,000.00 per URL/day. Small quotes linked to the source on this site are considered fair use.