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March 28, 2006

SM im Marketing oder wie öffnet man die Büchse der Pandorra

Friedrich Schiller ist der Nostradamus des Online-Marketings:


Doch furchtbar wird die Himmelskraft,
Wenn sie der Fessel sich entrafft,
Einhertritt auf der eignen Spur
Die freie Tochter der Natur.
Wehe, wenn sie losgelassen
Wachsend ohne Widerstand
Durch die volkbelebten Gassen
Wälzt den ungeheuren Brand!

Denn die Elemente hassen
Das Gebild der Menschenhand.
[Das Lied von der Glocke]

Der “ungeheure Brand” ist schnell entfacht, wenn unbedacht juristische Kettenhunde auf die Blogosphäre losgelassen werden. Die Volksmassen der oft zerstrittenen — gegen externe Aggression aber immer einigen — Blogger wälzen sich brandend und rodend durch jeglichen digitalen Informationskanal, und kommen sehr zielsicher immer durch die jene hohle Gasse, in der der Angreifer am verwundbarsten ist, zum finalen Blattschuss ins corporate image - das Herz jeglicher Öffentlichkeitsarbeit.

Das heutige “Gebild der Menschenhand” wird kollektiv als die juristische Keule — gebraucht zum Machtmissbrauch — verstanden, und das Ziel des geballten Volkszornes ist jeder (potentielle) Zensor. Das eherne Gesetz im offenen Web lautet “es gibt keinen Grund und keinen Platz für Zensur”, und dabei wird sehr fair zwischen mutwilliger oder leichtfertiger Verleumdung und freier Meinungsäusserung unterschieden. Meinungs- und Informationsunterdrückung ist tabu. Punkt. Die Wahrung berechtigter Interessen dagegen ist akzeptiert.

Das life Web ist schnell, sehr schnell. Und es hinterlässt bleibende Spuren. Blogs sind viel aktueller als die holz- und zelluloidbasierte Journallie, die erst nach drei oder vier Tagen jeden Proteststurm aufgreift, diesen aber dann für eine journalistische Ewigkeit manifestiert. “Wird ein Blogger drangsaliert, kommt der Konkurs ganz ungeniert” sollte auf dem Kopfbrett jedes streitlustigen Justitiars eingraviert werden.

Aus gegebenem Anlass, hier zwei mögliche SM-Definitionen im Marketing (es gibt mehr, wie z.B. Stupider Machtmissbrauch, Selbstzerstörerisches Machismo und Senseless Management …):

Sado · Maso - Ein sadistischer Vereinsanwalt drangsaliert eine alleinerziehende Mutter · Mit masochistischem Gleichmut werden in den folgenden Jahren in allen der Welt hingenommen. Google & Co. haben ein Elefantengedächnis. Ob der gewaltigen Popularität dieses unpopulären Maulkorb-Feldzuges eines millionenschweren Vereins gegen die mittellose Bloggerin Moni werden sich die peinlichen Schlagzeilen noch ewig in prominenten Positionen der digitalen Analen der Suchmaschinen halten.

Selbstvernichtendes Marketing - der obige Faux Pax aufgezeichnet von Robert Basic in seiner sehr ausgewogenen Chronologie der Transparency International Deutschland Selbstvernichtung.

Ganz egal, ob eine Bremer Richterin Suchmaschinen nicht versteht und per Drohbrief das Sozialgericht Bremen in die höhnende Presse lanciert, oder eine skrupellose SEO-Firma die Wahrheit nicht vertragen kann und daraufhin die juristische Keule schwingt, das Ergebnis ist immer ein dauerhafter Imageschaden.

Juristische Kraftmeierei ist kontraproduktiv, denn es zählt nicht wer letztendlich gewinnt, sondern wer sich weltweit lächerlich gemacht hat. Heutzutage wird nichts mehr vergessen, eine simple enthüllt jede Historie, weltweit. Es scheint die bessere Marketing Strategie zu sein, den hauseigenen Juristen einen Maulkorb umzulegen, oder sie mit Baldrian zu füttern. Guckst Du hier.

Filed under: DE, Marketing — Sebastian @ 2006-03-28 3:01 am

4 Comments »

  1. Transparency International: Wer ist das eigentlich?

    Rainer Sacht beschreibt in seinem Blog die Herkunft von Transparency International (”TI-D”). U.a. mit einem Hinweis auf den sehr lesenswerten Artikel (kein Interview) der ZEIT über Peter Eigen. Dann wertet er:
    Meine Meinung dazu ist inzwis…

    Trackback by Charivari — March 30, 2006 @ 5:07 pm

  2. Schöne Herangehensweise: Da will ich doch auch mal mit meiner Halbbildung aufwarten und antworte mit Johann Wolfgang, respektive seinem Advokaten, für die Gegenseite:
    Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht; Drum besser wär’s, daß nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz, das Böse nennt mein eigentliches Element.

    Comment by Besserwerberblog — March 30, 2006 @ 6:44 pm

  3. […] Das inzwischen populäre Abmahnen von Bloggern für kritische Äusserungen wird insbesondere von Internet-Laien als Marketinginstrument eingesetzt. Aber bitte mit Vorsicht: was offline geht, geht online schief. Unkenntnis schützt vor bösen Folgen nicht, deshalb hier anhand der in Auszügen veröffentlichten Abmahnung ein paar Hintergrundinformationen und Ratschläge für die Firma F.: Die Anmeldung und Bewerbung Ihrer privaten Homepage unter dem Suchbegriff “f.” bei Suchmaschinen ist rechtswidrig. Wir fordern die Beseitigung der Einträge unter dem Suchbegriff “f.”. […]

    Pingback by » Flyers aus Abmahnistan » sebastian.briegleb.com — March 30, 2006 @ 7:38 pm

  4. Ich häng mich mal ran ;)
    Selbst schuld kann man da wirklich nur denken, bzw. Unwissenheit schützt vor dieser Strafe nicht.
    Andersrum ists natürlich bedauerlich für eine Firma, wenn die Pandorra-Büchse geöffnet wird. Teilweise sind die Ansprüche ja einigermaßen berechtigt.. Problematisch ist die geringe Informationstiefe der für die Firmen in Frage kommenden Online-Kunden. Negativ-Post bei Google unter den Top10, der oft besprochen und in der Blogwelt evtl. sogar kritisiert wird, kommt eben nicht gut. Die Hoffnung sind verantwortungsvolle Blogger, die bei Kritik die Links entsprechend gestalten, dass Google den Ur-Post nicht pusht..

    Comment by Hans — November 15, 2006 @ 6:29 pm

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