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March 20, 2006

SEO ist eine strategische Waffe

Welche Rolle spielt SEO im langfristigen business plan Deines Unternehmens? Leider keine. Das ist fatal, weil sich Verbrauchergewohnheiten fundamental verändert haben. Und Tschüss…

Ich behaupte, dass SEO eine vitale, prägende und strategische Marketingaktivität ist, die Unternehmen und Produkte verändert — oft strukturell verändern muss! –, und hier ist warum: wir erleben einen Paradigmenwechsel. Ich mach’ es lang:

Früher brachte der Postbote die Gelben Seiten ins Haus, heute müssen sie abgeholt werden. Die darin enthaltenen Informationen sind nach wie vor schon bei Drucklegung veraltet, und das weiss inzwischen auch Mensch Meier, der wie jeder gute Deutsche einen PC mit Internetzugang besitzt.

Mensch Meier reagiert auf einen Rohrbruch heute anders als noch vor zehn Jahren. Anstatt nach einem möglicherweise der letzten Altpapiersammlung zum Opfer gefallenen oder niemals abgeholten Branchenbuch zu suchen, rennt Mensch Meier zum sowieso eingeschalteten PC, startet den Web browser, der mit einer Suchmaschine als Startseite vorkonfiguriert ist, und tippt [Klempner Kleinkleckersdorf] ein. Google.de oder wer auch immer liefert prompt eine Liste aller lokalen Gawasch-Sanitöter, und der hochpreisige 24-Stunden-Notdienst ist als Nummer Eins gelistet, mit 24/7-Telefonnummer im snippet. Wer bekommt wohl den Auftrag?

Mensch Meier bestellt inzwischen Bücher bei Amazon.de, und hat den Mehrwert der Beratung in der Buchhandlung um die Ecke glatt vergessen. Mensch Meier geht zweimal täglich am lokalen Reisebüro vorbei, aber seinen Ballermann Urlaub bucht er inzwischen bei Expedia.de. Oups, das Katzenfutter geht zur Neige? Kein Problem, Schlecker.de liefert per DPD.de prompt und frachtfrei an die Haustüre, und im Paket finden sich immer ein paar extra Leckerlies ohne Berechnung. Mensch Meier kauft “im Internet”. Wenn er etwas braucht oder sich für irgendetwas interessiert, “guckt er erstmal im Internet”, d.h. er sucht.

Mensch Meier arbeitet auch, z.B. im Einkauf Deines besten Kunden. Weil seine Katze die gratis Leckerlies des online retailers zu schätzen weiss, googelt er vor der nächsten Bestellung nach [Kopierpapier], und klickt auf das erste oder zweite Resultat. Er bestellt einen Quartalsbedarf ob der günstigeren Preise online beim Wettbewerber, und die günstigen Tonerkartuschen gleich mit.

Mensch Meier kommuniziert auch, z.B. beim Stammtisch oder im Kegelklub. “Boah ey, hab ich heute wieder gespart! Bei {böser Konkurrent} im Internet kriegste Kopierpapier fürn Applunei!”. Wenn {böser Konkurrent} dann noch eine einprägsame Internetadresse hat, oder der Stammtischbruder eine Suchmaschine bedienen kann, bist Du wieder einen Kunden los.

Mensch Meier bekommt zu irgendeinem Feiertag auch schon mal eine bei eBay.de besorgte Digitalkamera geschenkt, oder er macht Fotos mit seinem auf vodafone.de bestellten Mobiltelefon. Besondere Schnappschüsse müssen verteilt und archiviert weren, also sucht er nach [Fotoservice]. Wo auch immer er landet, es ist nicht der lokale Fotoshop, sondern ein online service der seine Bilder “entwickelt”, in online Galerien für Freunde und Verwandte bereitstellt, seine Fotobücher, T-Shirts, Poster, Kaffetassen und andere Präsente produziert, und ihm so mehrfache Laufereien erspart.

Mensch Meier mag Musik, also sucht und lädt er sie aus dem Internet, brennt sie auf runde Scheiben und seine Halskette mit Ohrwurm, und ward im Plattenladen zwei Strassen weiter nie mehr gesehen. Ach ja, neuerdings braucht er auch seinen olympischen Pommefriteskörper nicht mehr ins Kino zu bewegen, weil es auch die neuesten Filme irgendwo im Internet gibt. Suchen, finden, geniessen. Inzwischen kostet auch premium content nicht mehr die Welt, und kann (bald) per Suchmaschinen-Konto bezahlt werden.

Weil die Kinder um acht ins Bett müssen, fällt Mensch Meier’s Tagesschau inzwischen aus. Kein Problem, die news gibt’s ja auch online. Zeitung? Vor Jahren abbestellt, weil n-tv.de viel aktueller und am Arbeitsplatz konsumierbar ist. Illustrierte? Nur noch im Wartezimmer. Werbebriefe? Neben dem Briefkasten steht ein Altpapierkorb. Radiowerbung? Das Abspielen der CDs wird nur für die Staumeldungen unterbrochen. Radio- und Fernsehwerbung sowie print ads erreichen Mensch Meier nicht mehr in gleichem Maße wie früher. Dafür aber (kontextuelle) online Werbung immer mehr.

Stop. Klickt Mensch Meier auf ads? Inzwischen nicht mehr so häufig, Mensch Meier hat den Unterschied zwischen content und ads erkannt, er ist ein Web savvy surfer geworden. Er vertraut der offensichtlichen Werbung nicht mehr. Wenn er etwas braucht, sucht er danach. Und irgendwann hat Mensch Meier auch begriffen, dass relevante Resultate nicht mit den hochplazierten sponsored listings gleichzusetzen sind. Damit driftet search advertising in Richtung Imagewerbung.  Sicher, die ads werden fallweise angesteuert, aber die organischen Resultate darunter werden bevorzugt.

Mensch Meier ist kein Phänomen der Zukunft. Es gibt ihn schon, und immer mehr Verbraucher lernen von ihm. Die Herde zieht ins Web. Suchmaschinen versorgen im Hintergrund immer mehr Web sites, auch ohne “powered by” label als 19″ Einschub im Serverschrank. Search ist aus vielen Produkten und Dienstleistungen nicht mehr wegzudenken, und erobert stetig neue Bereiche. Gefunden werden zählt - immer mehr.

Wer aber wird “gut gefunden”? Unternehmen die seit Jahren mit suchmaschinenfreundlichen Web sites glänzen, und stetig in “Onlinepropaganda” investiert haben. Neben Anzeigenwerbung im Internet ist das auch und gerade SEO. Je älter die Web-Aktivitäten sind, desto besser sind sie im Web verankert, sprich desto mehr Inhalte und Reputation wurden aufgebaut und — ergo — desto besser werden sie gefunden.

Technisch wird Reputation von Suchmaschinen in Linkpopularität, topical PageRank, TrustRank usw. gemessen. Praktisch sind alle diese Verfahren noch sehr unzulängliche Versuche, neben Relevanz und Aktualität auch Reputation, thematische Autorität, und Verbrauchervertrauen in Suchalgorithmen zu berücksichtigen. Unzulänglich deswegen, weil die Suchmaschinen nur Spuren im Web verfolgen können. Aber dennoch täglich besser, weil immer mehr Information und Kommunikation Spuren im Web hinterlässt.

Zurück zur einleitenden Frage “welchen Stellenwert hat SEO im strategischen Geschäftsplan?“. Möglicherweise deshalb keinen, weil SEO kein ausgewiesener Budgetposten ist. Und dennoch einen relativ hohen, weil SEO auch ohne das Hinzuziehen von SE-Experten eine selbstverständliche Marketingaktivität ist, die in viele Geschäftsprozesse eingeflossen und von gesundem Menschenverstand getrieben ist. Grundlegendes SEO funktioniert auch ohne (technische) Raffinesse, Tricks und “Magie”. Bis zu einem gewissen Grad.

Tiefer gebohrt: Hat SEO, gemessen am messbaren Erfolg des Wettbewerbs, einen ausreichenden Stellenwert? Ich behaupte Nein, meistens nicht. Selbst mit Top10 Plazierungen nicht. Warum? Weil der Wettbewerb nicht schläft. Und weil Top10 Plazierungen nicht in Umsatz, Rohertrag oder Gewinn ausgedrückt werden können. Oftmals sind sie teuer erkaufte Vertriebshindernisse, weil Fokussierung auf vermeintlich profitable Suchbegriffe die findability der tatsächlichen money terms kontakarieren kann.

Profitabel gefunden werden bedeutet mehr, als für den Produktnamen der cashcow bei Google & Co. auf Seite Eins gelistet zu werden. Gute SE rankings beruhigen das Gewissen und verführen dazu, sich auf den vermeintlichen Lorbeeren auszuruhen. Möglicherweise optimiert aber beim Wettbewerber bereits ein professioneller SEO - noch unerkannt, weil SEO-Medizin sehr langfristig wirkt. Und im nächsten Quartal bleibt der organische SE traffic plötzlich aus, oder bröckelt langsam ab.

Professionelles SEO bedeutet mehr, als crawler-optimiert zu texten und viele links zu akquirieren. SEO verlangt Weitblick, und Einblick. Was gestern ging, geht heute schief. Wer seine doorway pages rechtzeitig eingemottet hat, kann sich heute mit viralem Marketing auf den SERPs behaupten, anstatt viel zu spät Schadensbegrenzung zu betreiben. Search ist das wichtigste und meistgenutzte Navigationsverfahren im Web. Professionelle SEOs, die in jeden Marketingprozess eingebunden sind, sorgen für Erreichbarkeit - bevor der Zug abgefahren ist.

Der Bader hat seine Schuldigkeit getan, der Bader kann gehen. Tatsächlich ist er Vergangenheit, und wir gehen zum Frisör, Heilpraktiker, Internisten und Orthopäden … und kämen nicht auf die Idee, wegen Zahnschmerzen den Hausarzt zu konsultieren. Wenn allerdings der Web-Designer die Such(maschinen)optimierung nebenbei mit erledigen soll, führt das in Projekten nennenswerten Umfangs zu suboptimalen Ergebnissen.

Das ist keine Abwertung der vielen Web-Designer und Web-Developer, die sich solide SEO-Kenntnisse angeeignet haben. Die brauchen sie auch für ihren Job. Aber sie können nicht das Gleiche leisten wie SEO-Spezialisten, ohne daß entweder das Design, oder die Erreichbarkeit, meist leider beides, darunter leidet. SEO als Querschnittsfunktion setzt weit vor dem Web Design an, und arbeitet nicht nur an und mit der Web site. Fast jeder Kontakt im Aussenverhältnis des Unternehmens ist SEO-relevant, oder kann es werden.

Mit dem oben Gesagten mag der Eindruck entstanden sein, SEO könnte eingeführte und wirksame Marketinginstrumente obsolet machen. Weit gefehlt. Ist SEO ein gigantischer Kostenfaktor? Mitnichten. Die SEO-Aufwendungen zur Generierung einer bestimmten Anzahl konvertierender Web site Besuche sind regelmässig weit geringer, als die Kosten von paid listings für die gleiche Anzahl von Transaktionen. Gut gepflegter organischer SE traffic ist recht stabil. Der Besucherstrom reisst nicht ab, wenn das PPC-Budget aufgebraucht ist. Andererseits können langfristig angelegte SEO-Strategien keine kurzfristigen spikes produzieren. Es ist kurzsichtig, alle Eier ins gleiche Nest zu legen. Erfolgreich ist, wer die Eier für die Nester von Morgen rechtzeitig legt, und sie zielgenau darin plaziert, und zwar vor der Konkurrenz.

SEO ist eine strategische Waffe, die kriegsentscheidend sein kann, aber keine Allzweckwaffe. SEO gehört in jedes Arsenal.

Filed under: DE, SEO, Marketing — Sebastian @ 2006-03-20 9:14 pm

5 Comments »

  1. […] und Sebastian in SEO ist eine strategische Waffe verdeutlicht der Vergleich damals-heute, wie sehr bereits das Web zum Alltagsgegenstand geworden ist.   […]

    Pingback by Basic Thinking Blog » Die nachrückende Webgeneration — March 21, 2006 @ 12:26 am

  2. Nachdem ich diese Betrachtungen abgeschickt und mittlerweile die Kinder erfolgreich ins Bett verfrachtet habe, bin ich ein wenig Suchen gegangen. Einer der ersten relevanten Artikel, auf die ich dabei gestoßen bin, ist Die Nachrückende Web Generation, wenige Minuten nach meinem Erguss in Robert Basic’s Blog veröffentlicht.

    Grob zusammengefasst schreibt Robert, dass Kinder und Jugendliche das Web nativ nutzen, während deren Eltern im job viel zu sehr auf konventionelle Kommunikationskanäle fixiert sind, um den Markt im “jugendlichen Web” ordentlich zu bedienen. Milliardenverluste i.S.v. entgangenem Gewinn sind die Folge dieses gaps. Wie Robert im Nachtrag (danke für den link!) erwähnt, ist das kein auf Heranwachsende beschränktes Phänomen. Das Web hat Einzug auch in den erwachsenen Alltag genommen.

    Comment by Sebastian — March 21, 2006 @ 2:04 am

  3. Hi

    Ich möchte zwar nicht abstreiten, dass es Menschen wie den Herrn Meier gibt aber mindestens 90% der Leute die ich kenne würden z.B. bei einem Rohrbruch nicht im INet nach Hilfe suchen sondern einen regionalen Anbieter alamieren, den man durch Offline-Marketing wie Zeitungsannoncen kennt oder an dessen Geschäft man ab und an vorbeifährt.
    Bis der Großteil der Bevölkerung sich so verhält werden wohl schon noch ein paar Jährchen ins Land gehen.

    Gruß
    Malte

    PS
    Andererseits muss ich bei Dingen wie dem Bücherbestellen über Amazon hundertprozentig zustimmen. Auf anderem Wege habe ich schon seit Ewigkeiten kein Buch mehr erworben.

    Comment by Malte — April 8, 2006 @ 7:52 pm

  4. Ich denke, dass SEO einfach überschätzt wird. Was kann man denn schon groß tun? Die Seite so optimieren, dass sie ordentlich indiziert wird und ein paar populäre Links anbringen. That’s it. Für populäre Suchbegriffe kommt man ohnehin nicht mit vertetbarem Aufwand in die erste SERP.

    Comment by Marc — October 17, 2006 @ 1:00 pm

  5. Hmmmm … man kann auch ohne Megabudget gute Plazierungen erreichen, und psssssst: der beste SE traffic kommt nicht über die top paying keywords ;)

    Comment by Sebastian — October 17, 2006 @ 1:51 pm

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